Stadtkirche Neustadt
Liebe Leserin, lieber Leser,
 
wir müssen reden! Es gibt Grenzen!
 
Aus aktuellem politischen Anlass spukt mir in diesen Tagen immer wieder ein Wort durch den Kopf. GRENZEN. Der Klang dieses Wortes ist hart. Wenn ich es ausspreche und mit meiner Mimik etwas übertreibe, verzieht sich mein Mund. Meine Lippen werden breit und schmal. Aber nicht so, als würde ich lächeln. Nein, es sieht gequält aus. Grenzen. Ein Wort, das mein Gesicht nicht gerade schön aussehen lässt, wenn ich es ausspreche.
Es gibt Grenzen. Das denke ich, wenn ich mir manche Rede deutscher Politikerinnen anhöre, die einer Minderheitenpartei angehören. Das denke ich, wenn ich mir amerikanische „Einwanderungspolitik“ anschaue. Das denke ich, wenn ich Menschen über Flüchtlinge reden höre: „Die wollen sich doch hier nur bereichern.“ Sind Abgrenzung und Obergrenzen alternativlos?
In der Bibel gibt es von Beginn an bis zum Ende Grenzen und Grenzüberschreitungen. Viele alt- und neutestamentliche Personen sind Grenzgänger. Und schon bei der Schöpfung zieht Gott Grenzen. Er scheidet Licht und Finsternis, Himmel und Erde, Land und Meer.
„Eine Grenze hast du bestimmt, dass sie die nicht überschreiten.“ So steht es in Ps 104,9. Diese Grenze, die Gott gesetzt hat, ist den Wassern der Urflut bestimmt, damit sie nie mehr die Erde im Chaos versinken lassen. Grenzen sind wichtig. Sie trennen und schützen. Ohne Grenzen versinkt die Welt im Chaos. Gott setzt Grenzen, um seine Geschöpfe zu schützen.
 
 
Dota Kehr hat ein Lied geschrieben, an das ich denke und das meine Gedanken in Worte fasst:
 
Wer ist drinnen, wer ist draußen?
Ich mal eine Linie. Du darfst nicht vorbei.
Da trifft Luft auf Luft,
da trifft Land auf Land.
da trifft Haut auf Blei.
Sie führen zu Nationalismus mit seinen
bekloppten Konsequenzen,
man entrechtet Leute, nur weil sie von irgendwo kamen.
Es gibt Grenzen.
Pastorin
Ich melde mich ab, gebt mir einen Pass,
wo „Erdenbewohner“ drin steht.
Einfach nur „Erdenbewohner“.
Sagt mir bitte, wohin man da geht.
Ich melde mich ab, ich melde mich um,
das kann doch so schwierig nicht sein.
Schreibt einfach nur Erdenbewohner da rein.
 
Warum schützt man die Grenzen der Staaten so gut?
Und die Grenzen der Menschen so schlecht?
Sie müssen nicht zwischen den Ländern verlaufen,
aber zwischen den Menschen.
Nicht aus Stacheldraht sollen sie sein,
sondern aus Respekt.
Es gibt Grenzen.
 
 
So wünsche ich es mir und uns allen. Grenzen, die nicht Staaten schützen und politische Systeme, sondern Grenzen, die Menschen schützen – ihre Freiheit, ihre Lebensbedürfnisse, ihren Glauben. Grenzen, die zu Respekt führen.
Respektvolles Einhalten von Grenzen wünsche ich mir. Zum Schutz der Schutzbedürftigen und zum Wohle aller.
Überwindung von Grenzen wünsche ich uns. Dass wir hinausgehen können und einander die Hand reichen können, ohne Angst haben zu müssen, uns wird etwas genommen.
Grenzenlose Gerechtigkeit wünsche ich uns allen. Gerechtigkeit, wie nur Gott sie uns zuteil werden lassen kann.
 
Es grüßt herzlich
        Sarah Lotzkatt


 


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